Kickern in Hamburg

Hanseatische Tischfußball Szene

Kickertisch Logo

Einleitung

Dies ist eine Hilfe für Spieler die sonst nur „just for fun“ in Kneipen, auf der Arbeit oder im Jugendzentrum kickern und nun besser werden wollen, oder auch totale Anfänger die es von Anfang an richtig lernen wollen.

Vielleicht kann auch der eine oder andere erfahrenere Spieler noch einen Nutzen aus dieser Hilfe ziehen.

Inhalt:

  1. Einleitung
  2. Ballkontrolle
  3. Grundprinzip
  4. Das Stellungsspiel
  5. Das Torwartdasein
  6. Das Herausspielen
  7. Trainingshilfe
  8. Die Mittelreihe

 

Generell sollte hier alles als Anregung gesehen werden. Wir erheben bestimmt nicht den Anspruch, den einzig wahren Kickerstil zu kennen. Wir finden es sogar schön, dass es so viele Stilarten gibt. Wir könnten auch nicht sagen, dass ein Stil nun besser sein sollte als ein anderer. Ob man nun den Ball so fest ins Tor rammt, dass es splittert oder ob man den Ball gezielt hineinkullern lässt ist im Ergebnis egal – Tor ist Tor. ;-) Jedoch gehen wir hier auf einige Grundregeln ein, welche so ziemlich allgemeingültig sind und somit für jeden interessant sein sollten.

Zunächst sollte erwähnt werden, dass es sehr viele verschiedene Tischarten gibt, welche sich teils sehr stark und teils eher weniger stark in Hinblick auf Griffigkeit der Spielfläche, Härte der Figuren, Fußform der Figuren, Materials und Gewichts des Balls, Abmessungen und Torgröße unterscheiden. Dem Anfänger wird das natürlich erstmal egal sein, da das Grundprinzip das gleiche bleibt: das Runde muss in das Eckige! (Har, har, okok sorry, aber der MUSSTE gebracht werden *g*). Na ja, wirkliches Interesse wird man für die unterschiedlichen Tischtypen erst später entwickeln – aber keine Sorge, falls wir Dich noch nicht haben, dann kriegen wir Dich noch, früher oder später...

Wir werden uns in dieser Hilfe auf den aktuellen P4P Tisch von Lehmacher beziehen, da dies der aktuelle Turniertisch in Deutschland ist. Der P4P Tisch kann wie ein „Mittelding“ zwischen den international bekannteren Tischen gesehen werden. Die Spielfläche ist z.B. griffiger als bei dem in Amerika weit verbreiteten Tornado, aber auch wiederum nicht so griffig wie der französische Bonzini – er liegt sozusagen in der Mitte. ;-) Auch in anderen Aspekten sind die Spieleigenschaften eher „mittig“ gehalten, sodass der Tisch für fast jeden Spielstil offen bleibt. Kurz gesagt ist der Tisch eine gute Basis und er ist dem auf dem Kiez sehr verbreiteten Löwen Tisch mehr als nur „ähnlich“.

 

Natürlich stellen sich einige Situationen unterschiedlich dar, je nachdem, ob es sich um ein Einzel oder ein Doppel handelt. Wir werden dann jeweils zu beiden Variationen etwas sagen. Zudem wird es passieren, dass wir ohne Hemmungen auch die Gegnerseite ein wenig beleuchten – na ja, letztendlich wird es auch Deine Sicht sein, weil Du gleiche oder ähnliche Situationen wie Dein Gegner erleben wirst.

Damit Du im Folgenden nicht verwirrt wirst: Deine Tischseite oder Bewegungen zu Dir hin, bezeichnen wir als „Unten“ oder „nach Unten hin“. Die Gegnertischseite ist somit natürlich Oben. Ja, ja das hört sich einfacher an, als es so mancher war haben will, Zitat: „Ich deck die obere Seite und du unten! OK.“ – rumms – „Wieso warst du den oben, das war meine Seite???“

Bei den Turnierspielern gibt es Klassifizierungen, welche die Spielstärke in etwa widerspiegeln. Neulinge – Amateure – Masters – Elitespieler. Bei uns sind alle Spielstärken vertreten.

Okay, dann mal los.

Ballkontrolle

Ballkontrolle ist für das Kickern logischerweise unerlässlich. Wer Bälle verliert, der macht es sich nur unnötig schwer und er gewinnt auch keinen Blumentopf.

Der erste Schritt auf dem Weg zur Ballkontrolle ist mit dem Kurbeln aufzuhören. Selbst wenn Fortuna Deine beste Freundin ist, wirst Du damit NIEMALS auch nur in Sichtweite einer akzeptablen Spielstärke kommen. „Ja, ABER sonst kann ich einfach nicht hart genug schießen.“ NIX aber! Man braucht für das Kickern nicht viel Kraft nur die Richtige Technik! Es gibt auch verschiedene Schusstechniken, welche sich im Kraftaufwand unterscheiden. Wir werden jedoch erst später auf die Schusstechniken eingehen und erst die Grundregeln und einige Spielzüge beleuchten.

Vielleicht wirst Du dich Fragen, welchen Sinn das haben soll. Aber auch wenn es Dir schon in den Fingern juckt und Du doch eigentlich nur ein paar Tricks lernen willst, womit Du unschlagbar wirst, solltest Du uns vertrauen wenn wir sagen, dass es so besser ist! Sorry, aber Widerrede gibt's hier nicht. Stell Dir z.B. mal vor, dass Du ein Auto hättest – und nun stelle Dir vor, dass Du kein Auto fahren kannst... Und eine weitere Illusion werde wir Dir nehmen müssen: es gibt keine „Tricks“, solange du bei Fairplay bleibst und das solltest du.

Stelle Dir einfach zunächst mal vor, dass alle beschriebenen Schüsse aus dem Handgelenk geschossen werden. Wie es auch anders geht (z.B. mit der offenen Hand) kann man zwar versuchen zu Beschreiben, aber das sollte man sich besser zeigen lassen.

Bei den ernstzunehmenden Turniertischen ist es möglich, den Ball mit den Figuren auf der Spielfläche einzuklemmen (engl. to pin). Dies verbessert die Ballkontrolle gegenüber einfachem Hin- und Hergeschiebe des Balls mit den Figuren enorm.

Vorne geklemmt (engl. Frontpin):

image001-frontpin

 

Hinten geklemmt (engl. Backpin):

image002-backpin

Du solltest im Schlaf in der Lage sein, den Ball aus der Frontpin-Position (der Ball ist vorne eingeklemmt) in die Backpin-Position zu bringen und umgekehrt. (Die hellblaue Figur ist die dunkelblaue Figur – nur, dass sie bewegt wurde; dies werden wir auch in den folgenden Bildern so beibehalten – die Gundposition stellen wir immer mit „kräftigen“ Farben dar, die Variationen oder die Position nach der Bewegung stellen wir in blasseren oder anderen Farben dar)

Wechsel von vorne geklemmt nach hinten geklemmt (selbe Puppe):

image003-change-position

 

Zudem solltest Du auch im Schlaf den Ball an den Puppen einer Stange untereinander hin und her spielen können:

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Dies wirst Du wohl oder übel lernen müssen, auf jeder Stange. Dies kann zwar am Anfang ganz schön frusten, aber da wirst Du durch müssen. Jammerlappen haben beim Kickern nichts verloren. *g*. Wenn es dann funktioniert wirst du dein lebenlang stolz wie Oscar sein und du wirst jedem der so etwas sauber beherrscht mit dem nötigen Respekt begegnen.

So, da Du nun nach langem Üben den Ball nicht mehr verlierst und ihn auch kontrolliert bewegen kannst, machen wir uns mal Gedanken, was Du mit Deinen neuerworbenen Fähigkeiten machen sollst.

Grundprinzip

Das Ziel beim Kickern ist klar – Tore machen. Wer keine Tore macht, der kann unmöglich gewinnen.

Die bestmögliche Position, von der sich Tore schießen lassen, ist Deine Stürmerreihe. Von der 3er hast Du schließlich nur noch 2 Stangen des Gegners zu überwinden. Deine Sturmreihe hat ja 3 Figuren und somit wird sie auch 3er genannt – im Folgenden werden wir das auch tun; die Mittelreihe heißt 5er und die Verteidigerstange wird 2er genannt und... nun, der Torwart heißt einfach Torwart ;-).

Natürlich kannst Du auch von der 5er aus gut Tore schießen, jedoch wird das echt schwer, wenn Du dies im Doppel versuchst; der Gegner kann sich einfach zu gut darauf einstellen. Außer dem wird diese Schußvariante mit der 5er z.B. auf dem Kiez nicht wirklich gerne gesehen! Jeder Torwart, der etwas auf sich hält, wird Dir solche Tore einfach nicht gewähren (es gibt hier auch Ausnahmen!). Na ja, natürlich kann es auch sein, dass Du vom Glück gesegnet bist und jeder Schuss so schräg kommt, dass er auch ins Tor geht, obwohl der Torwart vor dem Ball stand.

Fazit: Dein erstes Ziel sollte es also sein, den Ball zu kontrollieren und zu Deiner 3er zu bringen, schließlich sind die Torchancen hier am größten.

Anfängerfehler – und wie man sie vermeidet

Natürlich macht man als Anfänger Fehler. Die erste Stufe, um besser zu werden, ist zunächst mal diese Anfängerfehler nicht mehr zu machen.

Welche Fehler dies sind werden wir nun genauer beschreiben.

Der Einwurf

Was für den normalen Kneipenspieler erstmal fremd ist, ist die Tatsache, dass man einen „richtigen“ Einwurf hat. Du hast also die Möglichkeit den Lauf des Balls beim Einwurf zu beeinflussen. Du solltest also sicherstellen, dass der Ball auch wirklich bei JEDEM Einwurf zu Deiner 5er läuft (am besten immer zur 2ten Puppe von unten) und dass Du den Ball dort auch fängst und festhältst. Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten. Die sicherste Art ist mit dem rechten Zeigefinger eine „Schienei“ im Einwurfloch zu bilden. Du klemmst dann mit dem Finger den Ball ein und wenn Du mit der linken Hand Deine 5er im Griff hast, dann nimmst Du einfach den Druck vom Ball und lässt den Ball auf Deine 5er zukullern. (das Ding, welches wie eine Karotte aussieht, soll ein Finger sein *g*)

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Dies bedarf ein wenig Übung, aber wenn man den Dreh einmal heraus hat, dann kann man den Ballverlauf recht genau steuern.Man sollte jedoch darauf achten wirklich nur den Druck vom Ball zu nehmen, sodass er nicht mehr eingeklemmt ist. Wenn man den Finger nämlich dabei herauszieht oder anders bewegt, dann bekommt der Ball meist einen Drall, welcher den Verlauf unberechenbar macht und meistens den Ball zum Genger rollen läßt.

Der nächste Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist, den sicher eingeworfenen Ball zu verlieren. Dies gilt jedoch eigentlich für alle Situationen.

Da Du jedoch vorher schon die Ballkontrolle ausreichend geübt hast, kommt dieses Problem bei Dir ja eh nicht vor. ;-)

Stellungsspiel

Als nächstes gilt es, Dein Stellungsspiel in der Verteidigung zu verbessern. Wir werden dies zuerst anhand der Situation, in welcher der Gegner den Ball auf der 5er hat, beschreiben. Hierfür folgt gleich eine Zeichnung.

image007-goalie-defense-when-passing-5-to-3

 

Okay, diese Situation hast Du jetzt verinnerlicht, aber wie soll man sich in der Abwehr nun hinstellen, wenn der Gegner den Ball im Verteidigerbereich hat, hm? Hierbei gibt es mehrere Situationen und jeweils unterschiedliche Lösungen. Wir werden jedoch nur die einfachsten Stellungen erklären, welche schnell zu erlernen sind und sich auch recht schnell mit Erfolg umsetzen lassen.

Dies soll immerhin nur eine Einstiegshilfe oder ein „Grundsatzkompendium“ sein und kein Walkthrough zum Elitespieler. ;-)

Schau Dir an auf welcher Seite der Ball ist und stelle dann die Verteidigerfiguren so in die entsprechende Ecke, als würde der Gegner auf dieser Seite von der 5er auf die 3er passen wollen. Jedoch solltest Du hierbei die Figuren einen kleinen Tick weiter auseinander stellen.

Gegner hat den Ball oben in seiner Verteidigung:

image008-defense-goalie-vs-goalie-far-side

 

Gegner hat den Ball unten in seiner Verteidigung:

image009-defense-goalie-vs-goalie-near-side

 

Wenn der Gegner nun den Ball in die Mitte stellt, dann solltest Du Deine Figurenein wenig aufteilen.

image010-defense-goalie-vs-goalie-middle

In das Tor können also entweder nur die „sehr“ schräg gespielten Bälle laufen oder – wenn der Gegner von der Mitte aus spielt – nur der gerade Schuss, hierfür hast du jedoch ja noch die 3er und die 5er zum Abdecken. ;-) Die Bälle jedoch ausreichend schräg zu spielen, ist für den Gegner weitaus schwieriger. Generell sollte man den Gegner immer zwingen, die schwierigste Variante spielen zu müssen. Den die leichten Sachen können ja die meisten immer recht gut!

Als nächstes sollte man darauf achten, dass man dem Gegner nicht unnötig Bälle zukommen lässt. So solltest Du darauf achten, dass jeder Ball, welcher in Deinen Verteidigerbereich kommt, diesen nicht verlässt, ohne dass Du den Ball zumindest berührt hast. Am Besten ist es natürlich den Ball zu fischen und kontrolliert herauszuspielen. Wenn dies nicht möglich ist, dann fälsche den Ball zumindest ab, damit es der Gegner schwerer hat, den Ball einzuschätzen und somit schlechter wegfischen kann.

Im Einzel ist dies natürlich nur bedingt möglich und man bekommt die nötige Spielübersicht und Reaktion erst durch längere Spielerfahrung.

Auch im Doppel ist es manchmal schwer, wenn z.B. der Ball hart geschossen wurde und abprallt oder einfach sehr viel Drall hat. Damit umzugehen lernt man mit der Zeit.

Torwartdasein

Der Torwart ist natürlich erstmal für das Halten von Torschüssen zuständig. Zudem ist es sehr wichtig, dass der Torwart einen gehaltenen oder gefischten Ball auch gut wieder herausspielt. Man muss als Torwart immer, IMMER, IMMER konzentriert sein und auf den Ball achten. Wenn ein Stürmer einen Fehler macht, dann ist das nicht toll, aber ein Torwartfehler endet fast immer mit einem Tor – für den Gegner. Auch wenn Dein Stürmer den Ball auf der 3er hat, musst Du auf den Ball achten und für alles bereit sein.

Es ist uns oft genug in wichtigen Spielen passiert, dass der Stürmer den Ball an den Pfosten gerammt hat und der Ball mit Wucht in unser Tor zurückgeprallt ist, weil wir unachtsam waren.

Nun kann man sich streiten – schimpft man mit dem Stürmer, weil er den Ball nicht ins Gegnertor geschossen hat, lässt man das Gemecker des Stürmers über sich ergehen oder platzt man einfach vor Wut... Das Ergebnis bleibt das gleiche – Tor für die Gegner.

Jedoch sollten die Stürmer nun mit dem Grinsen aufhören. Das Prinzip „immer, IMMER, IMMER konzentriert sein“ gilt für Stürmer genauso. ;-p

Das Halten

Es gibt unterschiedliche Arten des Haltens. Jeder, welcher mit dem Kickern beginnt, wird mit dem Halten auf Reaktion anfangen. Viele Stürmer (vor allem diejenigen, welche gerade anfangen „ernsthaft“zu spielen) spielen „rechtsherum“ (von vorn auf das Tor gesehen, sprich in den Abbildungen nach oben), da dies von der Schussbewegung „natürlicher“ ist und schneller zu erlernen ist.

Die meisten Torwartanfänger stellen sich mit der vorderen Puppe direkt und „voll“ vor den Ball und der Torwart wird gleich daneben gestellt. Hierbei lässt man das Tor jedoch sehr offen. Der Stürmer muss einfach nur schnell schießen, er braucht sich fast keine Sorgen um Genauigkeit zu machen.

Solange der Stürmer (wie im nächsten Bild dargestellt) im orangenen Bereich abschießt, wird der Ball auch in das Tor gehen. Diese Lücke wird jeder Stürmer blind und vor allem so schnell wie er kann schießen können. Da der Stürmer entscheidet, wann geschossen wird, hast Du erstmal mit Deiner eigenen Reaktionszeit zu kämpfen...

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Solltest Du mit dieser Stellung auf Amateurlevel und aufwärts konstant gut halten, dann bist Du nicht geboren, sondern gezüchtet worden und das wahrscheinlich in Belgien.

Wie man sehen kann, sind die Wege für den Torwart sehr lang. Als erstes sollte man die eigenen Wege möglichst kurz und die des Gegners möglichst lang machen. Dies erreicht man zunächst, indem man nicht „voll“ vor dem Ball mit der vorderen Puppe steht. Der Ball kann Dir nicht gerade hereingeschossen werden und Du hast einen „Streckenvorsprung“ herausgeholt. Zudem kann man mehr Raum gewinnen, wenn man die Puppen höchstens so weit zusammenschiebt, dass der Ball gerade eben so nicht gerade hindurchgespielt werden kann. Somit kannst Du schon mal die Hälfte des Tors abdecken und der Gegner muss den Ball weiter und nach Möglichkeit auch schneller bewegen, um ein Tor zu machen.

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Gegen schlechtere Spieler und im Falle, dass man eine sehr gute Reaktion hat, kann man somit schon mal einiges halten. Der Vorteil des Stürmers liegt darin, dass ER bestimmt, wann geschossen wird. Wenn ein Stürmer eine große Lücke die ganze Zeit offen sieht, dann kann er sich voll und ganz auf die Geschwindigkeit konzentrieren. Wenn man ihm jedoch mehrere kleine Lücken „anbietet“, dann muss er sich zum einen erstmal entscheiden, welchen Schuss er machen will und zum anderen weiß der Gegner, dass er auch noch präzise schießen muss. Damit kommen einige nicht klar.

Teile Dir das Tor also auf und mache die Wege noch kürzer für Dich. Jede Puppe deckt eine Hälfte ab. Wie Du siehst brauchst Du die Puppen nun nicht sehr weit bewegen und der Gegner hat nun damit zu kämpfen, dass er weiß, dass Du nicht lange brauchst, um von dieser Stellung aus alles andere abzudecken und er muss auch noch sehr genau schießen.

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Dieses Grundprinzip, das Tor möglichst „klein“ zu machen und den Angreifer dazu zu zwingen schnell und sehr genau zu schießen gilt für alle Schüsse und wurde hier nur exemplarisch für den klassischen „Rechts Lang“ gezeigt.

Herausspielen

Als Neuling, Anfänger oder notorisch nervöses Kerlchen hört man oft, dass man „ruhig“ und „kontrolliert“ rausspielen soll. Aber WIE zum Geier soll man „kontrolliert“ herausspielen? Wie so oft gibt es hierfür ein paar gute Punkte. Unserer Ansicht nach, sollte man erst lernen, den Ball von einer ruhenden Position aus herauszuspielen. Der erste Einwand hierbei wird sein: „Ja, aber dann kann sich der Gegner doch viel besser auf mich einstellen. Der kann viel besser sehen, wohin ich spiele.“ „Jepp, das ist richtig, aber…“

Genau! ABER… der springende Punkt ist: DU kannst dich auch viel besser auf den Ball konzentrieren. Wenn Du noch nicht gut mit dem Ball umgehen kannst, ist das schon mal ein großer Schritt nach Vorne, da Du nicht mehr mit dem Ball zu kämpfen hast, sondern mit dem Gegner.

Das System

Der erste Punkt liegt ein wenig neben dem Tor. Ziehe einfach den Torwart bis zum Anschlag zu Deiner Seite. Bringe dann die „untere“ Puppe Deiner 2er vor den Torwart und spiele dann bei der Position den Ball gerade vom Torwart zur 2er-Reihen-Puppe (im nächsten Bild kannst Du die Position sehen – in etwa kann man sich die Linie des „5 Meter-Raums“ verlängert vorstellen). Von diesem Punkt gibt es mehrere Möglichkeiten, welche ein Stürmer unmöglich alle abdecken kann.

Generell kommt es bei dem System von diesem Punkt aus auf 4 Schüsse an:

  • Die obere Bande (orange),
  • die untere Bande (grün),
  • den geschlenzten Torschuss ins lange Eck, auch Drücker genannt (cyan)
  • und den geschlenzten Pass auf die untere 3er Puppe (gelb).

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Bande oder Pass, ein Weg ist immer frei

Der Knackpunkt von diesem „System“ ist, dass der Gegner, wenn er seine 3er bis zum Anschlag schiebt, mit der mittleren Puppe zwar einen gerade gespielten Ball blocken kann, jedoch kann man dann an der gegnerischen Mittelpuppe der 3er-Stange vorbeispielen und somit auf die eigene 3er passen.

Der Gegner kann diesen Pass nur mit der äußeren Puppe der 3er oder mit dem Mittelfeld abfangen. Wenn er jedoch den Pass mit der äußeren 3er-Reihenpuppe abdecken will, dann macht er wieder die untere Bande auf. Wenn er den Pass jedoch mit dem Mittelfeld decken will, so macht er die obere Bande frei.

Wenn er mit der 3er Reihe im Dreieck steht (dies ist die sicherste Methode, eine Bande zu verhindern – in den folgenden Bildern zeige ich das noch mal), um die Banden zu Decken, dann kann man es sich aussuchen, ob man Pässe spielt oder ob man den Ball auf das Tor spielt…

Man hat also auf JEDE Stellung des Gegners eine Antwort.

Und damit Du das besser nachvollziehen kannst, gibt es hier ein paar kleine Bilder:

Fall A: Der Gegner macht die unter Bande und den Drücker aufs Tor dicht. Offen sind nun die obere Bande und der Pass auf die 3er

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Fall B: Jetzt macht der Gegner die obere Bande dicht und kann den Pass auf die 3er blocken. Die untere Bande und der Drücker aufs Tor sind jetzt frei.

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Fall C: Der Gegner ist schlau und steht mit seiner 3er im Dreieck vor dem Ball, beide Banden sind somit abgedeckt. Jetzt bleibt nur noch das Passen auf die 3er übrig. Eine Alternative ist es auch den Ball direkt auf die gegneri sche Verteidigung zu schiessen und zu hoffen das der Ball direkt zwischen dem Torwart und der Verteidigun reingeht, oder unser Stürmer den Abpraller fängt. Aber das wichtigste ist, wir kommen mit dem Ball geziehlt hinten raus.

image017-rausspiel-system-fall-c

Wie Du siehst gibt es – von den Banden abgesehen – recht viele Abstufungen beim Schrägspielen. Diese Abstufungen gewollt mit der Kante des Fußes zu spielen ist fast unmöglich. Hierfür gibt es das „Schlenzen“, hierbei wird der Ball mit Effet gespielt.

Im Dreieck stehen und somit die Banden blocken

Und nun noch einmal zum Mitdenken, warum man gegen Banden mit der 3er am Besten im „Dreieck“ steht:

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Wenn Du zum Bandendecken nicht mit der 3er im Dreieck stehst, dann musst Du dich mit der 5er für die Seite entscheiden, von der Du glaubst, dass der Gegner Sie spielen wird. Du musst also ganz an die entsprechende Bande mit der 5er gehen. Wirklich verlässlich (mal davon ausgegangen, dass Du dich für die richtige Seite entschieden hasst) ist diese Methode jedoch nur, wenn der Gegner von der Mitte aus die Bande spielt.

Ansonsten kann es passieren, dass der Ball nicht direkt unter Deiner 5er Stange an die Bande prallt, sondern dass er – je nach Lage – vor oder hinter der 5er Stange „einschlägt“ und somit trotzdem noch durchkommt.

Alternatives System: Von der Mitte aus

Hierbei kommen wir gleich zum zweiten Punkt, von welchem man aus sehr gut von einem ruhenden Ball aus herausspielen kann.

Von der Mitte aus kommt es im Prinzip wieder auf 4 Schüsse an. Die obere Bande, die untere Bande, einen geschlenzten Pass nach oben und einen geschlenzten Pass nach unten. Die Variationen der Situationen (bzw. ein übersichtliches Bild dazu ;-)) sparen wir uns diesmal. Skeptiker müssen uns einfach mal glauben, dass man unmöglich Alles auf einmal als Stürmer abdecken kann.

Zudem muss man als Stürmer ja auch darauf achten, dass der Torwart den Ball nicht einfach gerade durchspielen kann.

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Nun hast Du erstmal 1-2 Punkte, von welchen Du „kontrolliert“ herausspielen kannst. Mit deinen Banden und dem Schlenzer aufs Tor bist sehr gefährlich und der Pass auf die 3er kann ein sicherer Matchwinner sein. Wenn Du nun nicht rauskommst, brauchst Du entweder einfach etwas mehr Übung oder Dein Gegner ist schlichtweg einen Zacken besser.

Aber Du wirst keine Bälle mehr „verdaddeln“.

Trainingshilfen

Was früher ein Garant für komische Blicke von Bekannten war, ist heute fast schon allgemein gesellschaftsfähig, der Kickertisch zuhause. Wie bei jeder Sportart, ist es unumgänglich, dass Bewegungsabläufe trainiert werden müssen, wenn man gezielt besser werden will. Dabei musst Du dir nicht komisch vorkommen, wenn Du alleine am Tisch stehst. Wir haben einfach nur noch keine Maschine, welche uns mit Bällen beschießt wie beim Tennis zum Beispiel. ;-)

Diese Hilfe hier wird Dich ein wenig begleiten und Dir für die in der Einführung angesprochen Themen eine Trainingshilfe an die Hand geben. Um ein Beispiel zu geben: nicht jeder, welcher Muskelaufbau von Bizeps und Trizeps erklärt bekommt, hat damit automatisch einen passenden Trainingsplan im Kopf. Wir werden Dir jetzt einen Standard Trainingsplan mit auf den Weg geben und wie auch bei einem Fitnesstraining führen viele Wege nach Rom. Es gibt keinen "einzig Richtigen", aber mit diesem Weg hier kommst Du auf jeden Fall ans Ziel. ;-) *nein es gibt kein Geld zurück*

Einen persönlichen Rat vom Autor vorweg: trainiere nicht zuviel alleine und trainiere so oft es geht gegen andere Spieler, am besten stärkere. Und suche so oft es geht den Wettkampf am besten in einer Liga and dannach fahre zu jedem Turnier was du dir leisten kannst! Es hilft Dir nicht, wenn Du einen Schuss im Solotraining 10 von 10 Bällen perfekt ins Tor rammst (Was man aber durchaus können sollte!), wenn es im richtigen Spiel nicht klappt. Die nötige "Spielruhe" kommt nur mit der Zeit und der Erfahrung gegen andere Spieler, am besten ist der direkte Wettkampf geeignet.

Ok, Du stehst nun also am Tisch und willst wissen, was zuerst trainiert werden soll und wie?
Die Variante X von 10 Bällen ist sehr beliebt, leicht zu verstehen und gut zu veranschaulichen.

 

Der Einwurf.

Beim Einwurf gibt es keine Fehlertoleranz. 10 von 10 Bällen müssen (MÜSSEN) auf Deiner 5er landen. Sicher und zügig. Der Ball soll nicht einfach nur zu Deiner Seite hoppeln. Er soll auf der Figur landen, auf welcher Du ihn sehen willst und wir empfehlen immer die zweite Figur von unten zu nehmen.

Übe den Einwurf in 10er Sätzen. So blöd das klingt, aber es macht echt Sinn, mal von Zeit zu Zeit einfach mal wieder 3-4 Sätze seinen Einwurf zu festigen. Wenn Du öfter 7von10, 8von10, 9von10 Sätze dabei hast, dann bist Du beim Einwurf noch nicht sicher genug. Wenn Du immer 10von10 hast und alle Jubeljahre mal ein 9von10 dabei ist, dann ist das schon gut.

Erschwere das Training dann: mache z.B. 50 Liegestütze vor Deinen Sätzen (oder so viele Du schaffst, höhö *danke*). Warum? Weil Deine Arme dann verstärkt mit Blut durchpumpt werden. Was meist ein leichtes Zittern zur Folge hat. Und glaube uns, ZITTERN wirst Du, wenn Du beim 4zu4 im 5ten Satz den Einwurf im Finale hast. ;-)

Ok, die Liegestützen sind ein eher halbernst gemeinter Tipp für die Turnierambitionierten; aber nichtsdestotrotz ein passabler Turniersimulator.

Das Stellungsspiel. (Torwart)

Um das Stellungsspiel zu trainieren bietet es sich an, mit einem Gegner zu Trainieren. Hierbei kannst Du genauso in 10er Sätzen arbeiten. Du musst Deine Figuren instinktiv richtig bewegen - und das die ganze Zeit über. Lasse Deinen Gegner in der Abwehr den Ball zufällig hin und her spielen. Dein Gegner soll irgendwann den Ball stoppen und "Stopp" sagen. Sobald er stopp sagt, bewegst Du Dich auch nicht mehr. Prüfe nun, ob Du richtig gestanden hast. (Ob du richtig stehts oder nicht, sagt dir ob das licht.. ähmm sorry die Einführung hier: Das Stellungsspiel)

Hierbei gilt die gleiche Fehlertoleranz wie beim Einwurf. Wenn Du hierbei auch eine 10von10 Quote hast, kannst Du es ebenso mit Liegestützen oder Ähnlichem verschärfen. Normal stellt sich beim 4zu4 im 5ten Satz generell ein leichtes Zittern ein. ;-)

Dein Sparringspartner kann das Ganze auch in der Mittelreihe machen.

Das Rauspiel.

Arbeite auch beim Rauspiel in 10er Sätzen. Allerdings ist die Fehlertoleranz bei offensiven Dingen etwas lockerer. Generell kann man es in etwa die folgenden Schubladen packen:

  • 0-2 von 10: Du hast gerade angefangen, den Schuss zu trainieren.
  • 3-4 von 10: Dein Kleinhirn (nicht böse gemeint, Bewegungsabläufe werden wirklich da gespeichert :-p) hat angefangen, die Bewegung zu raffen.
  • 5-6 von 10: den Schuss kann man ab und zu mal bringen.
  • 7-8 von 10: der Schuss wird beherrscht.
  • 9-10 von 10: turniertauglicher 4zu4 im 5ten Satz Schuss.

Suche Dir eine Position für Dein Rauspiel aus. (Wir empfehlen die untere Position "neben" dem Tor hier zu sehen: Das Herausspielen .

Fange an, die 4 Möglichkeiten (obere lange Bande, geschlenzter/gedrückter Torschuss ins lange Eck, geschlenzter/gedrückter Pass auf die untere 3er Puppe, untere kurze Bande) einzeln in 10er Sätzen zu üben.

Sobald Du alle 4 Schüsse im 5-6von10 Bereich hast und sich 7-8von10 ab und zu mal Blicken lässt, fange an, die Schüsse durchzumixen. Im Spiel wirst Du kaum eine Variante allzu oft hintereinander spielen können. W ir gewöhnen also Dein Kleinhirn schon mal daran, Dir auch ohne Warmschiessen den richtigen Bewegungsablauf zu liefern.

Trainiere nur im 0-2von10 Stadium langsam, um den Bewegungsablauf hinzubekommen. Ab 3-4 und 5-6 solltest Du anfangen, die Schüsse so schnell und hart wie möglich zu schiessen. Hast du dann wieder im 0-2von10 dann nehm ein wenig Speed raus und führe die Aktion wieder genauer aus.

Mindgames.

Wie beim Pokern (ich meine nicht das Onlinepokern, welches man auch in der Unterhose vom Sofa aus machen kann, sondern jenes Pokern, bei welchem man sich gegenübersitzt und das besser als mit etwas mehr als einem Schlüpfer..) so ist auch Tischfußball ein kleines Psychospiel. Auch beim Tischfußball gibt es "Zeichen", die es einem Genger erlauben - zu sehen was als nächstes kommt!

Trainiere also jeden Schuss aus der gleichen Ausgangsposition für Deine Puppe. Achte darauf, dass Du bei jedem Schuss die gleiche Handhaltung und nach Möglichkeit auch gleiche Körperhaltung hast. Körpersprache wird generell nur unterbewusst wahrgenommen. Du hast es sicher ab und zu mal, dass Du bei einem Gegner, gegen welchen Du oft spielst, zu 100% weißt, welcher Schuss kommt - und dass Du Recht hast.

Es kann eine zusammengepresste Lippe, ein abgespreizter Finger, ein leichtes Vorbeugen oder sonst was gewesen sein, was Deinem Unterbewusstsein verraten hat, was kommt. Leider funktioniert das Ganze in beide Richtungen. Sowohl das Empfangen, als auch das Senden dieser Zeichen ist unterbewusst.

Solltest Du es öfter haben, dass jemand Deine Schüsse oder Pässe "spürt", obwohl Deine Aktionen hart und sicher kommen, dann lasse Dich mal von jemandem gezielt auf solche Zeichen beim Spiel beobachten. Einige Amis empfehlen sogar, dass man sich selber auf Video aufnehmen soll. So geht?s natürlich auch.

Die Trainingseinteilung.

Soderle, nun weißt Du, dass es Sinn macht, in 10er Sätzen zu trainieren, um die Sicherheit eines Schusses abzuschätzen. Aber wie viele Sätze sollst Du nun machen, hm? Unser Gehirn steht auf Wiederholungen. Ganz besonders in der Anfangsphase eines Lernprozesses. Später reichen meist kleinere Wiederholungen, um eine Sache "frisch" zu halten.

  • Beispiel A:
    Du trainierst den berühmten "rechts Lang" Schuss mit 40x 10er Sätzen am Montag in Woche 1. Am Montag in Woche 4 machst Du noch mal 40x 10er Sätze. Du machst das ganze alle 4 Wochen. Du wirst den Schuss nie felsenfest können. Du musst ihn immer wieder "warmtrainieren".
  • Beispiel B:
    Du trainierst den berühmten "rechts Lang" Schuss mit 10x 10er Sätzen am Montag, Di, Mi, Do und Fr in Woche 1. In Woche 2 machst Du das ganze mit je 5x 10er Sätzen pro Tag. In Woche 3 jeden 2ten Tag 5x 10er Sätze. In Woche 4 machst Du an einem Tag noch mal 10x 10er Sätze. Alle paar Wochen machst Du mal 5x 10er Sätze. Die Sonne brennt! Der Schuss sitzt! 3-Wetter-Ta? err? na ja? *hust* Man wird Dich als 80jährigen Knacker aus dem Rolli holen können und an den Tisch stellen. Du wirst den rechts Lang reinrammen. *deal*!

Stelle Dir Lernprozesse wie eine Gravur vor. Arbeite besonders am Anfang sorgfältig und sauber und ziehe die Gravur immer wieder nach. Je besser Du am Anfang arbeitest, desto seltener wirst Du später den Staub aus der Gravur entfernen müssen, damit es gut "lesbar" bleibt. Ja, diese Metapher ist etwas abgehoben, aber durchaus treffend.

Um bei Metaphern zu bleiben: wenn Du einen neuen Schuss lernen willst, dann "verkuppel" Dein Kleinhirn mit dem Schuss. Lass die beiden Zeit miteinander verbringen. Steck ihnen Geld in die Tasche und schicke Sie ins Kino. Und erzähle ihnen in Einzelgesprächen, wie toll der jeweils andere ist. Mit der Kleinhirn, das ist Rechtslang. Rechtslang, das ist Kleinhirn. So Kleinhirn, Rechtslang wird jetzt bei Dir wohnen!? Radikalmethode klappt es nicht.

Um abzuschätzen, ob Du einen Schuss kannst oder nicht, bzw. wie gut Du ihn kannst - mach einfach 5x 10er Sätze mit dem Schuss und schau auf das Ergebnis. Und die Interpretation dieses Ergebnisses und die Schlussfolgerung, wie Dein höchstpersönlicher Trainingsplan dann aussieht, überlassen wir dann einfach Deinem GROSShirn. *rundumgrins*

Wenn Du dir einen Trainingsplan zusammenstellst, dann plane 1-2x 10er Sätze zum Auffrischen ein. 3-5x zum Vertiefen/Trainieren. Und alles +5x 10er Sätze zählt zum ehrgeizigen Trainieren. Aber Geduld ist besser. Trainiere nicht 5 Schüsse in einer Woche und hämmere jeden Schuss einen ganzen Tag lang ein. Nimm lieber 1-2 Schüsse und graviere Sie sorgfältig ein.

Mittelreihe

Soderle, nun lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die wichtigste Stange am Kickertisch. Nein, nicht die Stürmerreihe... sondern das Mittelfeld - die gute alte 5er.

Ja, es stimmt, dass die Tore meist von der 3er geschossen wird. Auf der 3er tobt das leben und auch beim echten Fußball schwenken alle Kameras mit dem Torschützen mit, welcher meist wie ein panierter Biber über das Feld läuft und mit diversen Ausbrüchen oftmals beweist, dass in einem gesunden Körper nicht unbedingt auch ein gesunder Geist zu hause sein muss.

Und für die arme Sau im Mittelfeld, welcher den Ball abgefangen und an 3 Leuten vorbei nach vorn gedribbelt und dann perfekt zugepasst hat, interessiert sich keiner. Keine Kamera, kein Spotlight. Nur ein Kommentar vom Moderator. ;-p

Dennoch ist die Mittelreihe, die 5er, die Stange mit dem meisten Potential. Die 5er ist die einzige Stange, welche das Spiel zur Einbahnstrasse machen kann. Wie jede andere Stange auch, hat auch die 5er einen defensiven und einen aggressiven Part.

Diesmal werden wir jedoch den aggressiven Teil zuerst beleuchten. Jaaa, da lacht Dein Herz, wa?

Das Passen

Sicherlich ist Dir schon aufgefallen, dass Leute, welche das Kickern ernster nehmen, fast ausschließlich am Rand bzw. am Randbereich versuchen den Ball hindurch zu bekommen. Der Grund hierfür ist einfach. Am Rand hat man die beste Chance durchzukommen. Am Rand hat man den größten Bereich, welcher nur von einer Figur der 5er abgedeckt werden kann.

Schau Dir das folgende Bild an. Die schwarze 5er ist schon ganz an der oberen Bande herangeschoben. Der gelbe Streifen zeigt Dir also den Bereich, welcher nur mit einer einzigen Puppe abgedeckt werden kann - und zwar nur mit der äußeren Puppe.

image020-mittelreihe-passen

 

Egal wie sehr Dein Gegner mit der Stange fuchtelt, egal wie hart er die 5er an die Bande rammt (ok, es sei denn es ist Wladimir mit einer Überdosis Milchschnitten intus - der rammt Dir die Stange durch den Tisch), er wird den gelben Bereich immer nur mit einer einzigen Puppe abdecken können.

Der orangene Streifen hat die gleiche Länge wie der Gelbe. Wie Du sehen kannst, können hier schon ohne Herumgefuchtel 2 Puppen in diesem Bereich sein.

Die grauen Figuren sollen die schwarze 5er simulieren, wenn die 5er zur anderen Seite gezogen wurde. (Ok ok, und hier hast Du uns erwischt. Im Millimeterbereich sind unsere Abbildungen nicht Maßstabsgetreu. Wenn Du die 5er von einer Bande zur anderen ziehst, dann sollten die Puppen die gleichen Positionen haben, nur halt um eine Puppe versetzt.)

Egal wohin Du den gelben Bereich hinschiebst auf der 5er, es werden immer mindestens 2 Puppen in diesem Bereich herumfuchteln können. Nur am Rand kann dieser Bereich nur von einer einzigen Puppe abgedeckt werden. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hier durchzukommen einfach am größten.

Tjo, das ist das Geheimnis, warum jeder Hans und Franz am Randbereich durchspielt.

Mit Hin- und Herfuchteln der 5er tummeln sich also die Mittelpuppe, die Halbaußen-Puppe und die Außenpuppe im orangenen Bereich, obwohl der orangene Bereich genauso breit ist wie der Gelbe.

Da wir die 5er sowieso schon "von hinten" erklären, können wir auch so weitermachen. Werfen wir also einen Blick auf das Fangen eines Passes.

Regel 1: NICHT auf den Ball tippen . Und neeeein, es ist kein Basketball. Du kannst den Ball nicht dribbeln. Beim Fangen auf den Ball zu tippen bringt Dir (mathematisch gesprochen) 0,0 Vorteile. Alles was Du dazu bekommst ist eine Fehlerquelle. Entweder tippst Du zu früh und der Ball prallt wieder zurück, oder Du tippst zu spät und Du fängst den Ball nicht. Mit steigendem spielerischen Können bei Dir und Deinen Gegnern, wirst Du immer härter Passen müssen, damit der Ball durchkommt. Irgendwann würde also der Punkt kommen, wo es einfach nicht mehr zu timen ist, genau im richtigen Moment auf den Ball zu tippen, damit Du ihn auch fängst.

Mach es also gleich richtig und halte Die 3er Reihe leicht schräg nach vorne und achte darauf, dass der Ball nicht mehr unter den Puppen der 3er durchflutschen kann, auch wenn der Ball mal etwas härter kommt.

Regel 2: Halte die 3er vor dem Pass immer an der Bande auf der Seite, auf welcher Du durchspielst. Wenn Du z.B. unten durchspielst, dann ziehe Deine 3er auch komplett nach unten und HALTE die 3er da. Bewege die 3er auch bei einem Pass ins Feld erst im letztmöglichen Moment zur Fangposition.

Wenn Du Deine 3er schon immer vor dem eigentlichen Pass in Position bringst, dann wirst Du ab einem bestimmten Spielerlevel keinen Pass mehr durchbekommen. Den man sieht ja wohin deine Passreise gehen soll!

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, den Ball durch die gegnerische 5er zu passen. Wir werden hier 2-3 "Systeme" erklären, welche recht einfach sind.

Passen mit System

Generell macht sich jedes Pass-System diese "gelbe Zone" (Asiaten mögen uns für diese Begriffwahl verzeihen) zunutze und baut in diesem Bereich auf 2 Pässen auf und setzt den Gegner vor eine entweder-oder Situation.

Was dem Einsteiger meist erstmal fremd ist, ist die Regel, dass der Ball nicht von einer ruhenden Position aus gespielt werden darf. Jemand, der wirklich gut passen kann, wird Dir jeden Ball durch die 5er knallen, wenn der von einer ruhenden Position aus passen darf. Gehe also bei jeder folgenden Abbildung zu Pässen davon aus, dass der Ball von der Halbaußen-Puppe zur Außenpuppe gespielt wurde. Dieses Anrollen des Balles hin zum Passpunkt ist der erste entscheidene Schritt, nur wenn der Ball immer mit der selben Geschwindigkeit genau zum selben Punkt gerollt wird, ja nur dann können beide Pässe auch gleich aussehen.

System 1: Ideal für Einsteiger: Abschusspunkt an der Bande

Pässe: gerade an der Bande entlang; mit der Kante oder geschlenzt ins Feld gespielt

image021-mittelreihe-passen-system-1

Der Vorteil bei diesem System ist, dass der Pass an der Bande auch für Einsteiger sehr einfach zu spielen ist und das er bis zum Amateurniveau auch sehr gute Dienste leistet.

Du kannst Dich praktisch auch als totaler Anfänger an den Tisch stellen und den Pass an der Bande entlang so hart wie möglich spielen und den Ball trotzdem sicher fangen. Also braucht man sich praktisch nur noch mit dem Pass ins Feld befassen und trainieren, und schon hast Du ein Pass-System, welches schnell Erfolge bringt.

Der Nachteil dieses Systems ist, dass es nicht wirklich einfach ist, den Ball aus der „an der Bande“ Position ins Feld zu schlenzen. Daher musst Du darauf zurückgreifen, den Ball mit der Kante schräg zu spielen . Dadurch bekommt der Pass eine unberechenbare Komponente, da Einsteigern meist noch das Feeling fehlt, den Ball immer im gleichen Winkel mit der Kante zu spielen.

Nichtsdestotrotz ist dieses System sehr beliebt bei Einsteigern, da es einfach zu erlernen ist und schnell eine bemerkbare Verbesserung beim Passen bringt. Du wirst hierbei auch sehr schnell merken, wie entscheiden das Anrollen des Balles für deine Pässe sind, sollte dir das Probleme machen spiel den Ball auf der 5er hintengeklemmt einmal von Puppe zu Puppe hoch und dann wieder runter. Hierdurch erhällst du mehr Ballgefühl auf der 5er und dein Anrollen wird besser und somit auch deine Pässe!

System 2: Abschusspunkt im Feld.

Pässe: gerade nach vorn im Feld; geschlenzt zur Bande hin

image022-mittelreihe-passen-system-2

Der Vorteil dieses Systems ist, dass Du beide Pässe hammerhart spielen kannst. Beim Pass zur Bande hin hast Du zudem noch eine große "Fehlertoleranz". Da Deine äußere 3er Puppe dank der Buffer nicht ganz an die Bande kann, der Ball aber trotzdem nicht an der Bande dann vorbei kann, hast Du sozusagen eine "Tasche", eine breite Angriffsfläche, in welcher der Ball landen kann.

Der Nachteil ist, dass Du für einen harten geraden Pass im Feld einiges an Übung brauchst, um ihn sicher zu fangen. (Aber wenn du ihn einmal so wie unser Guidschreiber im Turnier mit Lichtgeschwindigkeit durch "beamst" und locker fängst, dann geht der Gegner sofort weinend vom Tisch..nach dem Motto "Wen der schon so hart passen kann, dann will ich seine Schüsse garnicht erst sehen!")

System 3: Geeignet für angehende Profis: Abschusspunkt im Feld in der Mitte der "gelben Zone"

Pässe: geschlenzt zur Bande hin; geschlenzt ins Feld

image023-mittelreihe-passen-system-3

Der Vorteil dieses Systems ist, dass es das größte "haha verar***t" Potential hat.

Du hast hierbei die besten Möglichkeiten, Deinen Gegner mit Täuschungen zur falschen Seite hüpfen zu lassen.

Der Nachteil dieses Systems ist, dass es am schwersten zu meistern ist. Die erste Schwierigkeit ist, bei beiden Pässen den Ball immer vom gleichen Punkt aus zu spielen, damit Du nicht von Anfang an Deinen Pass verrätst. Du kannst es nachprüfen, indem Du den Tisch in dem Bereich etwas sauber machst. Jeder Schuss/Pass wird eine kleine abriebbedingte Schliere vom Ball auf dem Tisch hinterlassen. So kannst Du sehen, wo der Abschusspunkt war. Zudem bedarf es viel Übung, einen hart gespielten, ins Feld geschlenzten Pass auch sicher zu fangen.

Auch wenn es hunderte von Varianten gibt, so läuft es eigentlich beim Passen immer auf diese 3 Systeme hinaus. Es ist nicht wirklich möglich zu sagen, welches System das Beste ist. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Und jeder kommt mit einem anderen System besser klar als der andere. Teste es einfach ein wenig und konzentriere Dich am Anfang zuerst auf jenes, welches Dir am meisten zusagt. Einsteigern ist das erste System sehr zu empfehlen, es ist gut erlenbar und bietet eine solide Basis für das 3. System das von den Profis meistens verwendet wird.

Tipp: Verrate deine Pässe nicht vorher...

Generell, egal welches System Du nutzt, wird gegen bessere Gegner Dein Hauptproblem sein, dass Du Deinen Pass durch "Zeichen" schon im Vorwege verrätst - wie z.B. mit unterschiedlicher Position der Puppe zum Ball bei unterschiedlichen Pässen.

Hierbei wird Dir kein schriftlicher Guide helfen können. Falls Du trotz gut ausgeführten Pässen trotzdem kaum Bälle durch die 5er bekommst, dann bitte jemanden, Dich auf diese "Zeichen" zu beobachten.

Blocken mit der 5er:

So, da Du nun einen Einblick ins Passen bekommen hast, hast Du nun auch schon eine Grundidee, worauf Du beim Blocken achten musst. Dein Gegner wird höchstwahrscheinlich auch im Randbereich durchspielen wollen.

Hier gilt eigentlich das gleiche Prinzip wie beim Halten: stelle Dich zum Blocken erstmal für die einfachsten Pässe hin und schaue, was Dein Gegner macht und was er kann und versuche verräterische Zeichen zu erkennen.

Einige greifen die 3er fester vor einem harten, geraden Pass. Andere werden im "Dribbeltakt" schneller oder langsamer vor einem besonders "schnörkeligen" Pass.

All derlei Schnickschnack eben. Körpersprache wird normal nur unbewusst wahrgenommen. Mit wachsender Spielpraxis wirst Du diese kleinen Zeichen mehr und mehr unterbewusst richtig deuten. Du wirst genau wissen, welcher Pass kommt, obwohl Du keine Ahnung hast warum Du es weißt. Das kannst Du leider nicht alleine Üben. Spiele einfach viel. ;-)

Sollte Dein Gegner Dich immer auf dem falschen Fuß erwischen, aber nicht besonders hart passen, dann kannst Du mit der 5er einfach von einer Bande zur anderen fuchteln (Der berühmte "Nähmaschinen-Block" auch gerne mit beiden Händen beim 4-4); aber achte darauf, dass Du nicht zu hart an die Banden anschlägst oder den Tisch generell zum Ruckeln bringst.Mit flinkem Gefuchtel kannst Du die langsamen Pässe meist wegfischen.

Auch wenn Dein Gegner hart passt und immer durch kommt, kannst Du gern mal fuchteln, falls Du generell total ratlos bist. Aber dann lese einfach diesen Guide nochmal, das wird schon und somit viel Spass mit der "Königsstange" beim Kickern, unserer geliebten 5er.